Wen ernennen Parteien zu ihren Spitzenkandidat*innen und warum?

In modernen parlamentarischen Demokratien ist es heutzutage üblich, dass politische Parteien für anstehende Parlamentswahlen Spitzenkandidat*innen bestimmen. Für große Parteien liegt dies nahe, da sie eine Chance haben, den Regierungschef oder die Regierungschefin zu stellen, aber auch kleine Parteien benennen Spitzenkandidat*innen. Obwohl Spitzenkandidat*innen in Wahlkämpfen eine zentrale Stellung einnehmen und das Wahlverhalten beeinflussen, existieren keine systematischen Erkenntnisse darüber, an wen Parteien diese Position vergeben. Daher widmet sich dieses Projekt der Frage, wen Parteien warum zu ihren Spitzenkandidat*innen ernennen.

 

Auf der Ebene der Parteien wird erfasst, inwiefern Spitzenkandidat*innen weitere Führungspositionen in der Partei (Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz, Regierungschef*in) innehaben. Auf der Ebene der Spitzenkandidat*innen werden deren Karrieren in der Parteiorganisation analysiert, um typische Karriereverläufe für diese Position zu identifizieren. In der Folge wird untersucht, inwiefern Prozesse auf der Systemebene (Präsidentialisierung und Personalisierung), Parteieigenschaften und Gender sowohl die Kombination der Führungspositionen als auch das Auftreten von bestimmten Karrieretypen beeinflussen.

 

Die quantitative Analyse soll Parteien aus 20 entwickelten parlamentarischen Demokratien einschließen. In der ersten Projektphase werden zwei Datensätze aufgebaut. Der erste Datensatz dokumentiert die Besetzung der Spitzenpositionen in den Parteien, um offenzulegen, inwiefern Spitzenkandidat*innen andere Spitzenpositionen einnehmen. Der zweite Datensatz erfasst in Jahrensintervallen die Parteikarrieren der Spitzenkandidat*innen vom Zeitpunkt des Parteieintritts bis zur Wahl der ersten Spitzenkandidatur. Codiert werden Positionen in der extra-parlamentarischen Partei, der Partei im Parlament und der Partei in der Regierung. Auf Basis dieser Karrieredaten wird eine Sequenzanalyse durchgeführt, um typische Karriereverläufe von Spitzenkandidat*innen offenzulegen. Regressionsanalysen werden genutzt, um den Einfluss der oben genannten Faktoren auf die Rollenaufteilung und das Auftreten von Karrieretypen zu untersuchen. Auf Basis der Ergebnisse der quantitativen Analysen soll eine vergleichende Fallstudie die Entscheidungsprozesse hinter der Vergabe von Spitzenkandidaturen beleuchten.

 

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Fördersumme: 334.415,- €

Laufzeit: 1. April 2019 bis 31. März 2022

Projektleitung: Dr. Gregor Zons

Wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte: Melina Dahmen, Anna Halstenbach und Gerrit Philipps

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