Mechanismen der Opposition: Inklusion oder Polarisierung?

Projektantrag von Dr. Simon T. Franzmann

Trotz seiner unbestrittenen Bedeutung fristet der Analyse der demokratischen Opposition meist ein Nischendasein in der Politikwissenschaft. Dabei konzentrieren sich die wenigen vorhandenen Beiträge auf Fallstudien ohne das Ziel einer Generalisierung. Wenig erstaunlich sind somit die geringen Fortschritte bezüglich eines allgemein anerkannten Konzeptes des Begriffes Opposition in der Literatur. Aufbauend auf Dahls (1966) differenzierter Erfassung von Oppositionsmuster in unterschiedlichen Demokratietypen soll im SFF-Projekt ein tragfähiges Konzeptes des Phänomens entwickelt werden, um die Wechselwirkung zwischen politischer Opposition, bürgerlicher Partizipation und politischen Institutionen (bzw. Demokratietypen) mit Hilfe eines mechanismenbasierten Ansatzes zu untersuchen. Forschungsleitende Fragen sind dabei: (1) Wie beeinflusst der Demokratietyp die Muster der Opposition? (2) Wie wirkt sich eine schwache Opposition wiederum auf die Repräsentation der Bürger im politischen System und deren (un-)konventionelles Partizipationsverhalten aus? (3) Wie beeinflusst die Struktur der Opposition die Politikformulierung und die Ergebnisse im legislativen Verhandlungsprozess? Dabei steht eine handlungstheoretische Fundierung und eine Verbindung der verschiedenen Ebene im Fokus des theoretischen Modells, z.B. der Einfluss einer bilateralen Opposition (Sartori 1976) auf das strategische Kalkül der Regierung.
Im nächsten Schritt wird für die empirische Überprüfung auf verschiedene Datensätze und statistische sowie vergleichende Methoden zurückgegriffen, um die unterschiedlichen analytischen Ebenen logisch miteinander verknüpfen zu können. So wird neben den institutionellen Variablen die Wahlprogrammanalyse aus der ‚Manifesto Project Database‘ integriert, um die Policy Positionen der Parteien sowie die Betonung einzelner Issues zu erfassen. Weiterhin wird mit Hilfe von internationalen Umfragen, wie dem ESS, CSES und ISSP, das individuelle Partizipationsverhalten in die Analyse integriert. Geplant ist auf dieser Basis mit einer innovativen Verknüpfung von unterschiedlichen Methoden ein möglichst komplettes Bild der Wirkungszusammenhänge aufzuzeigen zu können sowie logische Fehlschlüsse zu vermeiden. Beispielsweise ist QCA als vergleichende Methode geeignet um auf Makro-Ebene hinreichende und notwendige Konfigurationen zu identifizieren, Mehrebenenanalyse können dagegen Hypothesen über Situations- und Selektionslogiken testen, während mit Hilfe von agentenbasierten Simulationsmodellen die logische Konsistenz von Aggregationslogiken überprüft werden kann, sodass die Black Box innerhalb der Analyse geöffnet wird und eine vollständige Verbindung im Sinne von Colemans Makro-Mikro-Makro-Modell hergestellt werden kann.

Publikationen:

Schmitt, Johannes & Franzmann, Simon T. (2017): Wie schädlich sind große Koalitionen? Zum Zusammenhang von Regierungs-Oppositionskonstellation und ideologischer Polarisierung. In Jun, Uwe & Bukow, Sebastian (Hrsg.), Parteien unter Wettbewerbsdruck. Wiesbaden: Springer VS (im Erscheinen).

Franzmann, Simon T. & Schmitt, Johannes (2016): How the Mechanism of Dynamic Representation Affects Policy Change and Stability. In: Analyse & Kritik 38(1): 227-256.

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Literatur:

Dahl, Robert (1966) Political Oppositions in Western Democracies. New Haven und London: Yale University Press.

Sartori, Giovanni (1976): Parties and Party Systems: A Framework for Analysis. Cambridge: Cambridge University Press.

Projekttitel: 

Hohe Partizipation als Folge einer schwachen Opposition?
Theoretische und empirische Modelle zur Wechselwirkung von Demokratietyp, Opposition und Partizipation.

Förderung:

undefinedStrategischer Forschungsfond der Heinrich-Heine-Universität

Fördersumme:

48.749,28 €

Laufzeit:

1. Oktober 2014 bis 30. September 2015

Projektleitung:

undefinedDr. Simon T. Franzmann

Mitarbeiter:

undefinedJohannes Schmitt, M.A., Stephan Schütze, B.A.

 

 

 

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